Wir sind immer noch hier. Nach zahlreichen Fake News,
Panikmache und hysterischen Personen, sind wir weiterhin in Portugal. Die
Campingplätze sind weitestgehend dicht, neue Camper werden nicht mehr
aufgenommen. In den letzten Wochen haben sich zehntausende Wohnmobile aus alle
Herren Länder auf den Heimweg gemacht. Wir hatten lange überlegt wie wir nun
weiter vorgehen. Wir hatten nach privat Grundstücken geguckt, nach
Ferienwohnungen und möglichen Stellplätzen auf Campingplätzen. Es hat uns aber
nichts wirklich zugesagt. Nachdem auch der letzte Camper von unserem Parkplatz
in Luz weggefahren ist, überlegten wir was wir machen sollten. Es kursierte das
Gerücht, dass nach dem 28. März das Militär zur Unterstützung der Polizei mit
im Einsatz wäre. Wir versuchten Informationen aus erster Hand zubekommen, da
wir das nicht wirklich glaubten. Nach einem Telefonat mit der örtlichen Polizei
hatte ich ein bisschen den Glauben an deinen „Freund und Helfer“ verloren. Ich
denke er hatte einen sehr schlechten Tag und war seit Jahren negativ auf den
Campingtourismus zusprechen. Der Polizeibeamte am anderen Ende des Telefons war
völlig fassungslos, was wir noch in Portugal machten und sagte uns, dass uns
das Militär zum nächsten Flughafen eskortieren würde. Auf die Frage was mit den
Hunden passiere antwortete er nur „they get killed“. Es vergangen 10 Sekunden,
bis ich was sagen konnte. Ich fragte ihn, ob das sein scheiß ernst sei. Er
meinte nur trocken „yes“ und legte auf. Geile Auskunft! Ich fühlte mich ein
bisschen wie im falschen Film. Da war sie wieder, die Panikmache und diesmal
von der staatlich ausführenden Gewalt. Die Nacht verlief unruhig. Am nächsten
Morgen fuhren wir nach Lagos, um verschiedene Polizeipräsidien anzufahren und
wenigstens einmal ordentliche und wahre Informationen zubekommen. Im Großen und
Ganzen sagte man uns, dass nach dem 28. März ein paar mehr Plätze geräumt
werden, aber kein Militär oder sonders gleichen kommen würde. Wir entschieden
uns zurück nach Faro zufahren und stellten uns wieder auf unserem Parkplatz
zwischen Flughafen und Praia da Faro. Hier stehen wir bis heute. Die Polizei
überwacht zwar die Zufahrtsstraßen zum Strand und möchte verhindern, dass kein
Strandtourismus entsteht, aber auf die Frage ob es weiterhin hier erlaubt ist
zustehen, antworteten sie mit ja. Es ist wirklich verrückt, wie jeder Distrikt in
Portugal hier anders mit der Pandemie umgeht. Wir haben das Gefühl, dass Faro
noch sehr entspannt mit der Situation umgeht. Am Strand sind die öffentlichen
Toiletten noch offen und man darf sich noch halbwegs frei bewegen. An anderen
Küstenabschnitten an der Algarve wurden die Strände und Zufahrten komplett
gesperrt. Der nationale Notstand wurde um weitere 2 Wochen verlängert und geht
nun mindestens bis zum 17. April. Wir haben aus der letzten Pressemittleitung
der Regierung erfahren, dass vom 9. Bis 13. April ein landesweiter Shutdown
herrschen soll. Es dürfen dann keine Fahrzeuge bewegt werden, alle Flughäfen
sind geschlossen und die Polizei kontrolliert auf den Straßen. Zusammengefasst
soll man in den 4 Tagen seine Wohnung für keine Aktivitäten verlassen. Die
portugiesische Regierung möchte damit verhindern, dass sich Familien über
Ostern besuchen und somit das Risiko minimieren.
In diesem traurigen und tristen Alltag gibt es aber auch
immer wieder hoffnungsvolle Lichtblicke. Vor ein paar Tagen kam abends ein
Portugiese zu uns und klopfte an unsere Tür. Durch unsere Paranoia dachten wir
direkt, dass es die Polizei sei. Wir machten auf und waren erstaunt, dass es
nicht die GNR war, sondern ein freundlicher Mann. Er sprach uns direkt an, ob
wir Kartoffeln und Zwiebeln haben wollten. Wir waren zunächst überfragt, dann
erklärte er uns aber seine Situation. Er besitzt ein Restaurant in Faro und ist
selbst Camper. Er ist die Art von Camper, die mit einem Dachzelt durch die
Gegend fahren. Sein Restaurant musste er wegen der Corona-Krise schließen und
nun hatte er die Lebensmittel, die er nicht mehr verarbeiten konnte, abzugeben.
Er verschenkte quasi sein Essen. Das war schon irgendwie sehr bemerkenswert, da
für ihn seine Existenz auf dem Spiel stand und für uns quasi nur, dass wir aus
dem Land rausgeworfen werden könnten. Trotzdem fuhr er in den Folgetagen immer
wieder zu uns und verschenkte Lebensmittel.
Um jetzt den Kreis zu schließen, gehen wir nochmal zum
Anfang in den März zurück. Wir hatten ja die Algarve verlassen und uns auf den
Weg nach Lissabon gemacht, weil wir die Hunde mit dem Flugzeug zurückbringen
wollten. An einem schönen Morgen am Praia de Ingrina hatten wir dann den ersten
negativen Kontakt mit der Polizei. Die GNR kam und schickte alle Weg. Da wir
wieder unseren tollen Teppich vor unser Kennzeichen gehangen hatten, konnten
sie nicht direkt dieses Aufschreiben und im nächsten Moment waren wir auch
schon los. Da an die 20 Fahrzeuge dort standen, konnten sie sich auch nicht mit
jedem einzeln lange auseinandersetzen. So umgingen wir die Strafe von 250€ und
wurden auch nicht mal aufgeschrieben. Obwohl es für uns keine Folgen hatte,
wussten wir nun doch, dass es immer und jederzeit passieren kann. Klar ist es
jetzt erst einmal in 4 Monaten passiert, aber der Fall, dass man immer und zu
jeder Uhrzeit weggeschickt werden könnte, machte das Reisen an sich schon ein
bisschen weniger entspannt. Ein anderer Deutscher, den wir dort getroffen
hatten meinte zu uns, dass es wie Räuber und Gendarm ist. Die Camper versuchen
sich immer zu verstecken, um nicht von der Polizei erwischt zu werden. Diese
Art von Lebensstil konnte ich aber nicht teilen, weil ich doch nicht in ein
Land fahre, um permanent auf der Flucht zu sein. Nunja die Reise ging weiter
und es sollte erstmal der einzige Kontakt bleiben.
Ich war für zirka eine Woche alleine im Wohnmobil mit den
Hunden, da Kevin anderenorts beschäftigt war. Ich entschied mich dafür, an
einen Ort zufahren, wo ich bereits schon einmal war. Der „Barragem da bravura“ Stausee
liegt ungefähr 20 km nördlich von Lagos und ist ein wundervoller, ruhiger Flecken
Erde. Hier war so gut wie kein Verkehr und man konnte wunderbar wandern gehen.
Als ich mir eines Abends den See bei Google Maps angeschaut hatte, kam ich auf
die glorreiche Idee, diesen einmal zu umrunden. Bei Google Maps sah er gar
nicht so groß aus und auch wenn man über den See blickte, sah man die andere
Seite. Man muss aber dazu sagen, dass er keine typische See-Form hatte, sondern
das er immer wieder so lange Arme hatte und man dadurch den Weg auch gut
unterschätzten konnte. Ich ging also los, ganz ohne Proviant, da ich gedacht
hatte, dass es eine Sache von 3 Stunden wäre. Nein, es waren keine 3 Stunden.
Es waren am Ende 8 Stunden und zirka 25 km Fußweg. Dadurch das der See schon
erheblich an Wasser verloren hatte, konnte man hier und da gut abkürzen. Dies
hatte dann aber auch zur Folge, dass man den eigentlichen Weg verließ und
irgendwo rauskam, wo man nicht mehr genau wusste, ob links oder rechts. Mein
Handy Akku hatte sich dann auch irgendwann verabschiedet und somit musste ich
mit der Sonne navigieren. Eigentlich ist es ja nicht schwer. Man muss nur am
Flussufer langlaufen, bis man wieder an der Stelle ankommt, wo man losgelaufen
ist. Nur war es an einigen Stellen einfach nicht möglich direkt am See
zulaufen. Es gab Stellen, da war der Flussarm nur 20 m breit und man hätte mit einem
beherzten kurzen Schwimmen, über eine Stunden Fußweg sich ersparen können. Leider waren
die kleinen Hundis anderer Meinung und wollten genau heute nicht schwimmen, ist ja klar. Am Ende hatten wir es aber wieder zum Wohnmobil geschafft und ich muss
glaube nicht erwähnen, dass die Hunde den Muskelkater ihres Lebens hatten. Sie
haben gut durchgeschlafen und wollten am nächsten Tag auch nur bedingt mal
raus.
Da mir dann doch irgendwann die Lebensmittel und Wasser
ausgingen, musste ich mich wieder bewegen und fuhr zu einem neuen Platz, der
sehr vielversprechend aussah. Hier machten wir einen langen Spaziergang und als
ich mit den beiden Hunden wieder im Wohnmobil ankam, bemerkte ich das es Giuly
sehr schlecht ging. Sie war nicht mehr ansprechbar, torkelte von links nach
rechts und hatte einfach extreme Gleichgewichtsstörungen. Es sah ein wenig wie
ein epileptischer Anfall aus. Ich rief Kevin an und wir entschieden direkt zu
einem Tierarzt zufahren. Da ich an der Westküste war und er bei Faro, trafen
wir uns in der Mitte. Auf der Fahrt zu Kevin saß Giuly vorne neben mir und ich
dachte tatsächlich, dass sie jetzt gleich das zeitliche segnet. Sie war sehr
schwach und zeigte keine Reaktionen mehr. In diesen Minuten war ich schon den
Tränen sehr nahe und hoffte inständig, dass der Tierarzt ihr helfen konnte.
Beim Tierarzt angekommen wurde Giuly direkt ein Katheter mit Kochsalzlösung
gelegt und sie musste die Nacht alleine in der Tierarztpraxis verbringen. Wir
wissen bis heute nicht, was diesen Zustand ausgelöst hatte. Wahrscheinlich
hatte sie irgendetwas gegessen, was für sie giftig war bzw. starke Halluzinationen
ausgelöst hatte. Es sah tatsächlich so aus, als wäre sie auf einem harten
Drogentrip. Nach der Nacht in der Ausnüchterungszelle ging es ihr aber wieder
besser. Wir holten sie ab und sie freute sich wie Bolle. Anka zeigte nicht ganz
so viel Mitgefühl und war mehr damit beschäftigt sich zu freuen, dass sie jetzt
wohl mehr fressen bekommen würde. Naja für die eine Nacht ließen wir sie in dem
Glauben.
Nach diesem Schockerlebnis musste die Fahrt trotzdem weiter
nach Norden gehen, da wir ja einen Flug hatten, den wir erwischen mussten. Wie
es so ist, wenn man zeitlich angespannt ist, passieren immer dann
unvorhergesehene Sachen, als wenn man alle Zeit der Welt hat. So bemerkten wir
an einem ziemlich heißen Tag, dass die Temperatur vom Motor nach oben ging. Wir
begangen zu diskutieren, was nun das Beste für das Wohnmobil sei. Die
Temperatur stieg weiter, bis sogar die Warnleuchte anging und sie uns zum
anhielten zwang. Als wir ausstiegen, sahen wir schon wie das Kühlwasser aus dem
Überlaufventil auf den Asphalt lief. Es kochte quasi. Eigentlich soll man ja in so einer
Situation nicht den Kühlwasserbehälter aufmachen, aber wir taten es trotzdem,
weil wir dachten, dass kein Wasser mehr enthalten war und das negative
Auswirkungen auf den Motor gehabt hätte. Mit einem gewaltigen zischen öffneten
wir das Ventil und natürlich schoss das kochende Wasser wie eine Fontäne aus
dem Behälter. Da wir beide recht nah am Motorblock standen, bekamen wir ein
wenig Wasser ab. Dies war zwar sehr heiß, aber hinterließ keine bleibenden
Schäden. Wir holten direkt neues kühles Wasser, damit der Motor sich wieder
abkühlen konnte. Wir warteten einige Zeit und starteten dann wieder das
Wohnmobil. Es schien wieder alles zu funktionieren. Nur leider ist uns dann
aufgefallen, dass die Ventilatoren, die für kühlen Wind sorgten, nicht funktionierten.
Deshalb ist das der Motor und das Kühlwasser so unverschämt heiß geworden.
Wieder ein neues Problem, was wir bisher noch nicht richtig beheben konnten. Seitdem
gucken wir immer eifrig auf die Temperaturanzeige, wenn wir langsam einen Berg
hochfahren. Zu der Diskussion muss man noch sagen, dass ich von vorne rein
schon genervt war und auf meiner Meinung stur geblieben bin. Kevin hatte die
Heizung angemacht und die warme Luft in die Kabine geleitet. Dies kühlt
zumindest ein bisschen den Motor runter. Zum Glück ist vorerst durch meine Sturheit
nichts kaputtgegangen und ich habe das schnell eingesehen und mich
entschuldigt.
Die Fahrt ging weiter und nachdem wir 2 Tage an einem netten
Platz nördlich von Sines übernachtet hatte, bemerkten wir am nächsten Tag, dass
wir einen schleichenden Platten hatten. Natürlich, auch das noch. Wir hatten
uns eine Schraube reingefahren und verloren kontinuierlich Luft. Zum Glück
haben wir einen vollfertigen Ersatzreifen, den wir dann an der nächsten
Tankstelle aufzogen. Den kaputten Reifen konnten wir recht schnell und
unbürokratisch für 20€ reparieren lassen.
Kurz bevor der Flug nach Berlin gehen sollte, bekam Giuly
noch eine Erkältung und machte uns das Leben unnötig schwer. Da wir für den
Flug noch eine gesundheitliche Bescheinigung vom Tierarzt brauchten, warteten
wir so lange, bis es Giuly halbwegs wieder besser ging. Einen Tag vor Abflug
bekamen wir dann tatsächlich diese Bescheinigung auch und waren nun super froh,
da wir alles geschafft hatten.
Wir waren in Lissabon. Da wir am nächsten Morgen sehr früh
zum Flughafen mussten, entschieden wir uns nur 10 min. weit weg zu parken. Wir
schliefen unter der großen Brücke, die Lissabon und Setubal verband. In der
Nacht zum Abflugtag waren neben uns immer wieder jugendliche, die dann besoffen
Golf spielten und zu unserem Glück war nur 100 m weiter ein Männerstrich. Ich
wollte nur mal kurz am Baum pinkeln gehen und direkt verfolgte mich ein Mann,
der wohl dachte, dass ich seine Dienste gerne in Anspruch nehmen würde. 1
Stunde später, es war wohl so 2 Uhr nachts, lassen wir die neusten News, dass
Portugal den nationalen Notstand ausrief und wohl keine ausländischen Touristen
mehr nach Portugal einreisen dürften. Somit war die Gefahr groß, dass Kevin
nicht mehr zurück nach Portugal hätte einreisen könnten. Mein Gott, was ne
Nacht.
In einer Nacht und Nebel Aktion entschieden wir uns dann
alles über den Haufen zu werfen und wieder zurück zur Algarve zufahren, mit den
Hunden. Ja woah, hat ja alles mega funktioniert.
Somit schließt sich der Kreis wieder und stand jetzt sind
wir auch langsam aber sicher auf dem Heimweg. Vorgestern wurden die
öffentlichen Toiletten am Faro Beach geschlossen und gestern wurden wir von der
GNR aufgefordert den Parkplatz zu verlassen. Die Begründung, dass jetzt dort
Baumaßnahmen stattfinden sollten, glaubten sie wohl auch selber nicht. Auch
sehr clever uns auf die Straße wieder zulassen, wo doch die Regierung
angeordnet hatte, dass wir uns bis zum 13. April möglichst nicht bewegen
sollten. So fuhren wir nun notgedrungen 4 km weiter in einem Wald, wo wir nach
nur 15 min. von einer neuen Behörde ebenfalls verjagt wurde. Die INCF (Institut
für Naturschutz und Wälder) begrüßte uns und meinte, dass wir uns in einem
naturgeschützten Bereich aufhielten und wir uns doch bitte bewegen sollten. Wir
erklärten unsere Situation, aber das stieß nur auf taube Ohren. Wir mussten
also auch hier wieder unsere Sachen packen. Das Ganze hätte aber noch erheblich
ungünstiger ausgehen können, denn wir waren nur kurz davor einen Ast von einem
Baum abzusägen, damit wir mit unserem Wohnmobil durchpassen würden. Hätten sie
das gesehen, hätten wir wahrscheinlich zum zweiten mal auf dieser Reise Privatinsolvenz anmelden müssen.
Wie der Zufall es so will, haben wir vor ein paar Tagen eine
nette junge Frau kennengelernt, die hier in Portugal auf ein Haus aufpasst.
Kurzerhand hat sie uns zu sich eingeladen, wo wir nun für 2 Tage das Wohnmobil
auf dem Hof parken konnten und zumindest 48h Safe sind und einen neuen Plan machen können.
Die Zeit tickt aber und wir bewegen uns langsam aber sicher
nach Norden. Was für ein trauriges und unwürdiges Ende in Portugal.
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