BLOG #7 | Covid-19 – Unser Alltag während der Pandemie – Wie geht es weiter?

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Paule

Als in Deutschland die ersten Fälle von Covid-19 diagnostiziert wurden, war das für uns noch sehr weit weg. Ich weiß noch genau, wie ich in den Nachrichten über den Ausbruch in China gelesen habe und mir nicht viel dabei gedacht habe. Nicht in meinen kühnsten Träumen hätte ich mir ausmalen können, dass das was jetzt aktuell in Deutschland, in Europa, ja auf der gesamten Welt abläuft, Realität werden könnte. Aber es ist so. Wir befinden uns in einer noch nie dagewesenen Phase und müssen harte Einschränkungen in unserem Alltag hinnehmen. Damit wir uns nicht falsch verstehen. Die Maßnahmen (Stand: 23.03.), die Deutschland und Europa unternommen wurden finde ich gut und notwendig, nur denke ich auch, dass es damit nicht getan ist. Natürlich möchte ich auch keine Hysterie und Panik verbreiten, aber wir sollten davon ausgehen, dass es nicht in den nächsten 3 - 4 Wochen getan ist und wir fröhlich unseren Alltag wieder genießen können.

Unsere Pläne im März waren groß. Kevin wollte vor ein paar Tagen die Hunde zurück nach Berlin bringen, Freunde und Familie wollten kommen und auch ich wollte nach Berlin fliegen. Alles findet nicht statt. In einer Nacht und Nebelaktion haben wir uns nur wenige Stunden, bevor der Flug von Lissabon nach Berlin ging, dagegen entschieden zu fliegen. Das Risiko, dass Kevin nicht mehr nach Portugal einreisen könne, war einfach zu groß. Auslöser war eine Regierungserklärung vom portugiesischen Präsidenten, dass für die nächsten zwei Wochen der nationale Notstand ausgerufen wurde. Zu dem Zeitpunkt waren die Grenzen zu Spanien bereits dicht und man kam nur noch vereinzelt mit Sondergenehmigung durch. Wir fuhren also am 18. März spät abends aus Lissabon in die dunkle Nacht nach Süden. Unser Plan war es, dass wir die Zeit an der Algarve aussetzen wollten. Wir wollten in Etappen wieder zurück zur Algarve fahren, da wir längere Strecken mit dem Wohnmobil vermeiden wollten und sowieso auch gerne ein bisschen mehr vom Hinterland Portugals sehen wollten. Wir suchten uns einen schönen See raus und gingen vorher nochmal einkaufen.

In Portugal wird durch den Virus auch viel eingekauft, aber es ist nicht so schlimm wie in Deutschland. Ich habe das Gefühl, dass die Menschen hier solidarischer sind und mit ein wenig mehr Vernunft und Menschenverstand einkaufen. Es bilden sich vor den Supermärkten immer wieder lange Schlangen, da nur eine gewisse Anzahl von Menschen sich zur selben Zeit im Supermarkt befinden dürfen. Es werden auch Handschuhe verteilt und von 8 bis 10 Uhr morgens sollen überwiegend Personen, die über 65 Jahre alt sind, einkaufen. So möchte man vermeiden, dass die Risikogruppen auf andere Altersklassen treffen.

Nachdem wir alles bekommen haben, sind wir zum See gefahren. Vorort waren noch einige andere Camper. Es war sehr idyllisch und wir waren froh an einem Ort angekommen zu sein, wo es entspannt aussah. Die Nacht war kurz und ich legte mich für einen Mittagsschlaf aufs Ohr. Ich wurde durch ein Gespräch der anderen Camper wieder wach und ja was soll ich sagen, mir fehlten erstmal die Worte. Ich dachte wir sind erstmal angekommen und können jetzt entspannen. Aber falsch gedacht, eine Bewohnerin vom nahe gelegenen Dorf kam zu uns und übermittelte uns die fröhliche Botschaft, dass ab dem nächsten Tag eine landesweite Quarantäne herrschen sollte, für ganze Zwei Wochen. Das hieß, dass wir uns von hier nicht wegbewegen durften. Wasser hätten sie uns für den Zeitraum bereitgestellt. Wir guckten uns beide an und wussten insgeheim schon, dass wir hier eigentlich nicht auf andere angewiesen sein wollten. Zudem hatten wir auch nicht für 2 Wochen eingekauft. Wir überlegten, wo wir hinfahren hätten können und dachten direkt an unseren schönen privaten Parkplatz in Luz an der Algarve. Hier fühlten wir uns sicher und auch hier war Wasser unten am Strand verfügbar. Das Wasser Verfügbar war, wussten wir zu dem Zeitpunkt noch nicht, da landesweit alle öffentlichen Toiletten und Wasserzugänge geschlossen wurden.

So fuhren wir also wieder zu Lidl und kauften erneut ein. Hier in Portugal gibt es praktische 6 Liter Wasserkanister zukaufen, womit wir uns eindeckten. Dazu kamen Nudeln, Reis, Konserven, alles was nicht wirklich schlecht werden kann. Ja auch Klopapier, natürlich. Aber in Maßen, wir wollen ja das Toilettenpapier nicht an unsere späteren Kinder irgendwann vererben. Wir füllten auch unsere Wasservorräte am Wohnmobil auf und tankten erneut voll. Nun waren wir gerüstet, für die Zeit in Luz.

In den letzten Tagen musste unsere Kreditkarte wirklich leiden. Erst sind wir komplett umsonst von der Algarve nach Lissabon gefahren, dann haben wir einen viel zu großen Hundekäfig für den Flug nach Berlin gekauft und zu guter letzt mussten die Hunde noch einen ärztlichen Gesundheitscheck machen, dass sie flugtauglich sind. Die Flüge nach Berlin werden uns natürlich auch nicht erstattet und wir mussten ja auch wieder runter zur Algarve fahren. Unser Lebensmittelvorrat reicht wahrscheinlich bis zum Ende der Reise und dieser Hundekäfig... Junge, dieses riesen Ding ist einfach permanent im Weg.

Vor ein paar Tagen sind wir also mit unserem rollendem Späti in Luz angekommen und es war ruhig, sehr ruhig. Auf dem Parkplatz waren nur drei weitere Wohnmobile. Ein Großteil der Camper ist der Empfehlung des auswärtigen Amtes gefolgt und ist auf dem Weg zurück in ihre Heimatländer. Wir sind so ein bisschen in der Schwebe. Wir wissen nicht wie es weiter geht. Die Campingplätze werden alle nach und nach geschlossen und wild darf man ja sowieso nicht campen. Wir hatten in den vergangen Tagen viel Zeit uns einen Plan B und C zurechtzulegen. Zudem haben wir uns ein bisschen mehr mit dem Thema Covid-19 und den Maßnahmen beschäftigt. Aktuell tut Portugal, wie auch der Rest in Europa (ausgenommen Großbritannien), alles dafür, dass die infizierten Zahlen zurückgehen. Das sehen wir durch die einschneidenden Maßnahmen in unserem Alltag. In den nächsten Wochen werden die Zahlen an infizierten zurückgehen und die Maßnahmen werden sich lockern. Man wird wieder mehr Alltag haben und natürlich wieder mehr Kontakt mit seinen Mitmenschen. Da es Aktuell noch kein Heilmittel gegen das Coronavirus und nur sehr wenig immune Menschen gibt, wird sich das Virus wieder ausbreiten. Es werden wieder Maßnahmen unternommen, um den Kontakt zu minimieren. Wir denken, dass nach der zweiten, spätestens aber nach der dritten Phase Portugal alle Menschen mit keinen dauerhaften Wohnsitz aus dem Land werfen wird. Es ist leider aktuell schwer irgendwas zu planen. Wir hatten auch bereits Kontakt zu der Polizei, um uns ein wenig auf den neuesten Stand zubringen, aber selbst sie wissen nicht genau, was man darf und was nicht. Denn wenn die Campingplätze schließen, wir nicht wild campen dürfen und die Grenze zu Spanien komplett dicht ist, wo sollen wir dann noch hin? Es ist momentan wirklich ein Versteckspiel mit den Behörden. Wir tauschen uns in Facebook Gruppen mit anderen Campern und deren Erfahrungen aus, aber oft wird dort einfach nur geraten, jetzt und sofort nach hause zufahren. Von diesem Szenario wollen wir aber noch Abstand halten. Erst wenn es die Situation nicht mehr zulässt, wollen wir die Segel streichen und nachhause fahren. Aber was wäre das für ein Ende unserer Reise?

Wir sind ehrlich, sowas hatten wir nicht kommen sehen und wir können ja auch nicht sagen, dass wir einfach in ein anderes Land fahren. Es ist eine globale Krise und wenn wir alle ehrlich sind, wird sie auch noch bis ins nächste Jahr reichen. Was für eine schöne Scheiße. Wir sind gefangen im Paradies. Wir sind hier, 500 Meter vom Strand entfernt und dürfen uns doch nur in Ausnahmefällen bewegen.
Wir wissen nicht wie es weiter geht. Es gibt täglich neue Informationen und die Sachlage kann sich extrem schnell ändern. Es wird wohl darauf hinaus laufen, dass es Phasen gibt, wo man einen eingeschränkten Alltag hat und Phasen wo man seinen gewohnten Alltag nachgehen kann. Natürlich sind das kleine Probleme, im Vergleich zudem, was eigentlich gerade auf der Welt los ist. Und doch hat ja jeder seine eigene Geschichte und muss gucken wie er mit der neuen Situation umgeht.

Wir hoffen, dass es euch allen gut geht und ihr euch an die vorgegebene Maßnahmen haltet. Nur gemeinsam kann man diese Pandemie durchstehen. Zeigt Solidarität und lasst euch von den Medien nicht zu sehr verrückt machen. Informiert euch auf verlässlichen Seiten. Wir haben vor ein paar Tagen auch einer älteren Frau geholfen, ihren platten Reifen zuwechseln. Sie hatte sich so sehr gefreut, dass sie uns heute ihre Rotwein Reserven geschenkt hatte. Sie fuhr heute nach Hause. Es sind schwierige Zeiten, wo man einander einfach helfen sollte, auch wenn man die Personen erst seit 5 Sekunden kennt.

Update 25.03.2020

Seit gestern wissen wir, dass die Uhr tickt. Die Regierung will bis zum 28.03. alle Personen mit nicht portugiesischen Wohnsitz aus dem Land haben. 

Für uns gibt es gerade drei Optionen, die alle mit großen Aufwand, Risiken und Kosten verbunden sind.

1. Möglichkeit: Wir suchen uns eine Abstellfläche für unser Wohnmobil und fliegen nach Hause.

2. Möglichkeit: Wir fahren mit unserem Wohnmobil nach Hause.

3. Möglichkeit: Wir suchen uns hier ein Haus, Wohnung oder Grundstück mit Mietvertrag und bleiben so lange es geht. 



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