BLOG #10 | Ende des Ausnahmezustands – Sind Lockerungen in Sicht?

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Paule

Die portugiesische Regierung hat verkündigt, dass sie ab dem 4. Mai ihre Corona-Maßnahmen schrittweise lockern und vom Ausnahmezustand in den Notstand bzw. Katastrophenfall wechseln werden. Der Premierminister António Costa und seine Regierung haben dazu einen 3-Stufenplan vorgelegt, welches die etappenweise Öffnung des Landes voranbringen soll. Die geltenden Regelungen werden alle zwei Wochen überprüft und gegebenenfalls neu bewertet. Als grundsätzliche Regeln müssen nun Schutzmasken im öffentlichen Raum und in Geschäften getragen werden. Phase 1 sieht ähnlich wie in Deutschland aus. Hier werden wieder kleine Geschäfte, wie Friseure, aber auch Buchhandlungen oder Bibliotheken unter strengen Auflagen öffnen. Phase 2 ab dem 18. Mai sind dann Geschäfte mit einer größeren Fläche wie Museen, Kindergärten und Schulen. Phase 3 ab dem 1. Juni sind dann z. B. Kinos, Theater und auch Fußball-Ligaspiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Was für uns sehr interessant ist, dass bei Phase 1 ab dem 4 Mai „Individuelle sportliche Freiluftaktivitäten wie Surfen erlaubt ist“. Der Zugang zu den Stränden ist allerdings noch nicht vorgesehen. Das klingt extrem verführerisch und wir werden in den nächsten Tagen mit der GNR in Sines telefonieren und uns von ihnen die Bestätigung besorgen. Gesetzt den Fall, dass Surfen wirklich wieder erlaubt ist, werden wir in den nächsten Tagen erneut zur Westküste fahren und hier nochmal gute 2 Wochen verbringen. Aktuell befinden wir uns am Albufeira do Alqueva Reservoir See (Hängemattenplatz), der ziemlich nah an der spanischen Grenze sich befindet. Die neuen Lockerungen haben uns jetzt zum Umdenken bewogen und wenn Portugal tatsächlich schrittweise die Maßnahmen lockert, werden wir wahrscheinlich noch etwas länger hierbleiben. Man sieht mal wieder, dass man nicht wirklich planen kann. Wir gucken was die nächsten Tage bringen und lassen uns einfach treiben. Natürlich wird es nur eine Frage der Zeit sein, wann sich die zweite Welle ausbreitet. Es wird an die Bevölkerung appelliert, dass man sich zum Wohle der Gemeinschaft weiterhin möglichst zuhause aufhält und größere Menschenansammlungen vermeidet. Wenn ich mir die Bilder aus Spanien und Italien angucke, wo es ebenfalls Lockerungen gegeben hat und die Menschen in Massen auf die Straße strömen, kann ich irgendwie nur mit dem Kopf schütteln. Da ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis sich das in den Zahlen der Neuinfizierten wiederspiegelt. Natürlich ist es aber auch verständlich, wenn man 7 Wochen nicht wirklich die Wohnung verlassen durfte. Die perfekte Harmonie hier zu finden, ist eben doch sehr schwierig.

Aber zurück zu uns. Wir befinden uns ja eigentlich sukzessive auf dem Heimweg, zumindest geht es größtenteils nach Norden. Wir sind jetzt wieder an unserem schönen Hängemattenplatz, wo wir bereits schon auf der Hinfahrt waren. Warum Hängemattenplatz? Naja wir hatten bis dato nur hier unsere Hängematte aufgebaut. Erstens, weil es an der Algarve einfach zu viel Betrieb war und eine Hängematte schon sehr als campen zählt und zweitens, weil hier jetzt auch die Gegebenheiten ziemlich gut sind. Wir haben zwei Bäume in einem perfekten Abstand und auch die Tatsache, dass wir hier alleine sind, spielt uns natürlich gut in die Karten. Obwohl wir uns größtenteils kaum bewegen, haben wir doch in den letzten Tagen die 8.000 Kilometer geknackt. Wir sind die Algarve von Westen nach Osten und umgekehrt vermutlich mehr gefahren, als ich zählen konnte. An unserem letzten Platz habe ich ein Stück meiner Reisephilosophie wiedergefunden. Eines unserer Mottos lautet, „hinterlasse jeden Platz sauberer, als du ihn vorgefunden hast.“ Das war in Zeiten von Corona nicht immer einfach. Warum sollte man das Land wo man quasi rausgeworfen wird, auch noch sauber hinterlassen und den Müll aufsammeln? Man sollte auch während dieser Krise nicht seine eigenen Prinzipien über Bord werfen und gar nichts mehr machen. Das ist zum einen sehr unbefriedigend und zum anderen macht das Klima und die Umwelt auch keine Pause. Also obwohl uns Portugal gerade das Leben nicht sonderlich einfach macht, sehen wir trotzdem immer noch das positive in der aktuellen Situation. Gerade jetzt ist es einfach viel leerer in Portugal. Es sind kaum Touristen unterwegs und an schönen Plätzen, die man sich sonst mit anderen Campern teilen müsste, steht man alleine. Für uns ist es gut, dass Portugal die Grenzen weiterhin geschlossen hält und kein touristischer Verkehr einreisen darf. So bleibt die Touristenanzahl sehr gering. Für die portugiesische Regierung ist das natürlich eine Katastrophe, dass jetzt genau im Sommer eine Haupteinnahmequelle mit dem Tourismus wegfällt.

Fun Fact am Rande: Die Hunde haben irgendwie immer was. Vor ein paar Tagen hatte sich Anka erkältet. Ich hatte sie abends gewaschen, weil sie sich in einem toten Fisch gesuhlt hatte (WIDERLICH). Obwohl die Temperaturen immer weiter steigen und es jeden Tag wärmer wird, bringen es die Hunde fertig krank zu werden. Komische Wohnungshunde. Durch die Erkältung schnarcht sie nachts was zusammen, dass ist ehrlich gesagt nicht mehr feierlich. Wir können nicht mehr durchschlafen und sie bringt uns echt um den Verstand. Nun ist uns auch leider das Zeckenzeug für die beiden ausgegangen und direkt haben sich diese Parasiten auf dem Fell und im Ohr breitgemacht. Jetzt sind wir also auch damit beschäftigt, bis wir ein neues Mittel bekommen. Giuly hatte in der Zwischenzeit wirklich die größte Zecke, die ich jemals gesehen hatte. Komplett abartig. Das Ding war schon so groß, dass es kurz davor war abzufallen. Dabei war diese nicht mal eine Nacht auf ihrem Körper. Jetzt wo es auch wärmer wird, verlieren beide extrem viele Haare. Besonders Anka reproduziert so viele Haare neu, dass wir jeden Tag quasi einen neuen Hund daraus basteln könnten. Sie fressen beide viel Gras (was ja an sich okay ist), kotzen es dann aber im näheren Umkreis des Wohnmobils wieder aus. Hunde machen ja sowas nicht ohne Grund. Oft versuchen sie einfach sich von irgendeinem Fremdkörper in ihrem Hals zu befreien. Bei Anka bin ich mir aber sicher, dass sie das mit purer Absicht macht. In verschiedenen Foren habe ich gelesen, dass Hunde das auch einfach Just for fun machen. Ja was ein Spaß für alle beteiligten. Zum Schluss kommt noch mein absoluter Klassiker. Anka hat bei uns auch den Spitznamen „Lieutenant Colonel Anka“ bekommen. Sie muss immer alles im Blick haben und wenn sich nur eine kleine Ameise unserem Wohnmobil nähert, wird diese zur Schnecke gemacht. Kurz gesagt, sie hat ein kleines Aggressionsproblem. Jetzt wo wir an unserem Hängemattenplatz sind, gibt es keine Menschen, die sie anmeckern oder anknurren könnte. Sie läuft und guckt rum, aber findet nichts. Wer jetzt aber denkt, dass sie deshalb ihrer liebsten Freizeitbeschäftigung nicht mehr nachgeht, der hat sich geschnitten. Anka hat was ganz Neues für sich entdeckt, „Phantompöblen“. Das Ganze geht so, sie guckt in eine Richtung, entfernt sich dann langsam vom Wohnmobil und fängt dann aus dem nichts an zu bellen. Wir wissen nicht ob es der Wind ist, die Eidechse oder einfach ein Blatt, was vom Baum gefallen ist. Ich denke der Platz, wo Anka so richtig entspannen kann, muss erst noch erfunden werden. Ich bin mir aber auch sicher, dass sie das gar nicht will. In ihr schlummert ein Wolf und von Zeit zu Zeit muss sie ihn loslassen. Nunja, sie ist und bleibt ein Unikat.


Unser Weg von Faro zum Hängemattenplatz









Wie hier die Blumen blühen ist komplett verrückt. In allen erdenklichen Farben

Ich habe einen kleinen Ofen gebaut und selbst Brot gebacken. Ein bisschen Bear Grylls steckt doch in jedem von uns

Durch die Maskenpflicht mussten wir kreativ werden. Unsere Masken sind Ärmel von unserem T-Shirt 



48°C in der Sonne. Es wurde sogar noch wärmer, aber unser Thermometer geht nur bis zu dieser Zahl. Danach kommt Error

Da ich noch nicht wirklich Bilder vom inneren des Wohnmobils gezeigt hatte, hole ich das jetzt nach. Unsere Küche mit Kochfeld und Spüle




Bad mit Toilette, Waschbecken und Schlauchbrause. Wir können so auch durch das das Fenster draußen duschen

Kevins Bett, im hinteren Teil





Ein Schrank für jede Menge Kram und Jacken

Unsere Mittelsitzgruppe mit Tisch

Kann man auch als Sofa oder Bett umbauen



Mein Bett oben im Alkoven. Es ist zwar eng, aber ziemlich gemütlich 



Die Sitze vom Fahrerbereich lassen sich drehen, wodurch wir mehr Sitzgelegenheiten bekommen und einfach mehr Platz zum Leben


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