Aus zwei Tagen sind 1,5 Wochen geworden. Wir haben uns bei
Franzi im Haus sehr wohl gefühlt und so blieben wir länger als erwartet. Dieser
Genuss von einem festen Dach über dem Kopf, fließend Wasser, einer heißen Dusche,
einen Backofen und vielem mehr hatte schon etwas Besonderes. Man wertschätzt
die Dinge, die in unserem normalen Alltag als selbstverständlich gelten, nach
so langer Zeit ganz anders. Wir haben in der Zeit, die wir hier waren immer
sehr lecker gekocht und hatten schöne Gespräche. Wir haben den Ofen genutzt, um
endlich mal wieder ein paar Gerichte zumachen, die wir sonst nicht machen
konnten. Pizza, Quiche und frisches Brot sind nur einige Gerichte. Es war eine wahre Freude. Im Garten wuchsen
die tollsten Bäume. Hier konnten wir Orangen, Zitronen und Nespera Früchte zum
Frühstück ernten. Dazu gab es noch Unmengen an Sauerklee für den berühmten
Orangen-Zwiebel-Sauerklee-Salat, sowie Bananen, Granatapfel, Minze, Lauch und Porree.
Wir haben die Zeit auch genutzt, um kleinere Reparaturen am Wohnmobil
durchzuführen. So haben wir beispielsweise unseren Ventilator zur Motorkühlung
überbrückt und jetzt mit der Hupe verbunden. Die Hupe mussten wir ja schon vor
Monaten abklemmen, da Anka immer wieder auf dem Lenkrad stand und wild umher gehupt
hatte. Jetzt geht der Ventilator zur Motorkühlung an, wenn wir die Hupe
drücken. Das ist echt ne witzige Konstruktion, aber es funktioniert.
Seit sechs Tagen haben wir wieder das Haus verlassen und
befinden uns wieder auf der Straße. Wir haben uns auf den Weg nach Norden
gemacht. Die Algarve liegt hinter uns, es ist ein Abschied auf unbestimmte
Zeit. Es ist eine wundervolle Region und es fiel uns nicht leicht diese zu verlassen.
Wir besuchten das letzte Mal den Strand von Faro, da wir wussten, dass wir wohl
in Portugal nicht mehr an die Küste kommen werden. Leicht rebellisch liefen wir
am Strand aus dem Blickfeld der Häuser und genossen die letzten Stunden. In
Portugal ist es aktuell nun auch verboten sich am Strand aufzuhalten und ins
Wasser zugehen. Wir taten es trotzdem, da es für uns unser Abschied war. Im
Wasser, zwischen den Wellen und den letzten Sonnenstrahlen des Tages dachte ich
nach. Über die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft. Was bringt die
Zukunft? Ich bin der festen Überzeugung, wenn irgendwo eine Tür geschlossen
wird, öffnet sich woanders eine neue. Neue Möglichkeiten ergeben sich. Ich
vertraue darauf und hoffe, dass das Schicksal mir wohlgesonnen ist und noch
etwas Glück für mich übrig hat.
Nun haben wir schon April und wir sind seit einem halben
Jahr unterwegs. Trotz der Corona-Krise haben wir unseren eigenen Alltag hier
gefunden, der sehr weit entfernt von dem in Berlin ist. Die einzelnen
Aktivitäten haben einen ganz neuen Stellenwert bekommen und man tut Sachen
bewusster, beziehungsweise konsumiert in anderen Maßen. Man nimmt auch seine
Umgebung und Natur ganz anders war. Es ist ein ganz anderer Alltag, aber eben
auch ein sehr schöner Alltag. Manchmal fragt man sich auch, was man eigentlich
den gesamten Tag gemacht hat. Oft denkt man sich dann auch, „hey, ich habe ja
gar nichts geschafft, muss ich mich jetzt schlecht fühlen?“ Aber dem ist ganz
und gar nicht so. Das ist natürlich auch eine Art Prozess für einen selber, dass
man nicht jeden Tag etwas Produktives machen muss. So komisch es auch klingt,
aber oft besteht auch der Alltag darin, dass man notwendige Dinge wie Wasser
besorgt, Lebensmittel einkauft und Wäsche wäscht. Die meisten Sachen, die wir
in unserem beruflichen Alltag nebenbei machen, haben bei uns hier einen höheren
Stellenwert und kosten auch viel Zeit. Das ist nämlich auch genau das, was wir
aktuell haben, Zeit. In Berlin war es genau andersherum. Man hat Geld verdient,
war im Stress, Hektik und hatte wenig Zeit. Jetzt müssen wir mit weniger Geld
auskommen und haben dafür sehr viel mehr Zeit, was ein schönes Gefühl ist.
Viele werden jetzt sagen, „ja die Zeit ist ja schön und gut, aber ohne Geld
kommst du auch nicht wirklich voran und was ist mit der Zukunft?“
Das sind Themen, an die ich auch sehr oft Denke, „was ist
mit der Zukunft?“ Ich finde, dass was ich beziehungsweise wir gerade
machen ist purer Luxus. Diese Erfahrungen die man auf Reisen macht, stärken einen
für den weiteren Lebensweg. Es sind Lebenserfahrungen, die einem keiner mehr
nehmen kann. Ich denke natürlich auch an „übermorgen“ und eine Art Angst, dass
ich den Anschluss an die Gesellschaft in Deutschland verliere habe ich ganz und
gar nicht. Dann habe ich eben eine kleine Lücke im Lebenslauf, wo andere
vielleicht Berufserfahrung gesammelt haben. Und wenn mich eines Tages ein
Personaler mal darauf anspricht, dann kann ich mit voller Überzeugung sagen,
„ja, war geil.“ Es ist auch immer die Sache, wie man die Geschichte geschickt
verpackt. Ich habe eine Ausbildung, Abitur und ein abgeschlossenes Studium. Das
ich irgendwie den beruflichen Anschluss verpassen sollte, glaube ich nicht. Ich
lebe mein Leben, so wie ich es will und momentan ist es trotz Corona echt
schön.
Portugal hat den nationalen Notstand um weitere 2 Wochen
verlängert. Dieser geht nun bis zum 2. Mai. Wir merken selber, dass es merklich
ruhiger geworden ist. Wir sehen kaum noch andere Camper und auch auf den
Straßen ist wenig los. Vor den Supermärkten bilden sich immer lange Schlangen,
da nur eine gewisse Anzahl von Menschen auf einmal hineindarf. Im Großen und Ganzen
halten sich die Portugiesen schon an die Auflagen der Regierung. Ich denke das
ist auch ein Punkt, warum die infizierten Zahlen weiterhin so gering sind.
Nun stehen wir hier 20 km südlich vor Beja an einem schönen
See, genießen die letzte Zeit in Portugal und überlegen uns, wie es weitergeht.
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| Die letzten Sonnenuntergänge an der Algarve |
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| Barragem da bravura |
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| Wunderschöner Stausee nördlich von Lagos - hier standen wir teilweise auch ganz alleine |
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| Abendessen mit Wein, Aussicht und anderen Campern |
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| Der See verliert dramatisch an Wasser |
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| Die Ursachen sind oft lange Dürre, Wassernutzung für Waldbrände und zu hoher Wasserverbrauch an der Algarve |
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| Bilderreihe von Giuly und dem Ball |
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| Rückblick Algarve: Hier wurden wir das erste Mal von der GNR aufgefordert den Platz zu verlassen |
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| Der Leuchtturm von Sagres. Der südwestlichste Punkt vom europäischen Festland. |
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| Wenn wir unsere Wäsche mal nicht im See oder Fluss waschen, geht man zur Lavanderia |
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| Oder man trifft Leute, die ihre eigene Waschmaschine dabei haben ;) |
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| Neues Crew-Mitglied - zumindest für ein paar Stunden |
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| Giuly im Krankenhaus |
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| Hier bekommt sie eine Natriumchlorid-Lösung und muss eine Nacht vor Ort bleiben |
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| Die Polizei verteilt Informationsmaterial an die Camper |
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| Die ersten Tage im Supermarkt, nachdem Portugal den nationalen Notstand ausgerufen hatte |
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| Die Regale waren vor ein paar Wochen noch ziemlich leer. Jetzt findet man wieder alles. Auch Klopapier ;) |
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| Unsere Vorräte... |
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| ...da wir nicht wussten, ob wir jetzt von der Polizei unter Quarantäne gesetzt werden |
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| Kleine Reparaturen... |
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| ...lassen sich schnell eigenständig lösen |
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| Die "Vasco da Gama" Brücke in Lissabon |
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| Hier übernachteten wir, um am nächsten Tag den Flug nach Berlin zubekommen |
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| Free Shower: Regen muss nicht immer negativ sein. |
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| Selbstversorgung: Wir bauen jetzt auch Minze, Basilikum, Tomate, Schnittlauch und Petersilie an |
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Der letzte Tag am Strand. Giuly genießt ihn auch
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| Anka schaut nochmal sehnsüchtig zum Strand |
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| Hier durften wir für 1,5 Wochen in Sicherheit stehen |
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| Das "Wolfpack" ist in dem Zeitraum größer geworden. Eva, Milow, Anka, Giuly |
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| Wir haben herrlich gekocht und gebacken |
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| Selbstgemachtes Brot, Orangen-Zwiebel-Sauerklee-Salat, Humus, Indisches Curry, Kartoffel mit Rosmarin, Paprika-Hirtenkäse-Dip (Alles extrem lecker!) |
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| Zu Besuch bei Franzi und Asahi. 4 Leute - 4 Hunde |
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| Die Reise geht weiter und wir lassen die Algarve hinter uns |
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| Unser aktueller Standort am Barragem do Roxo |
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