BLOG #9 | Die letzten Tage an der Algarve – ab ins Hinterland

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Paule
Aus zwei Tagen sind 1,5 Wochen geworden. Wir haben uns bei Franzi im Haus sehr wohl gefühlt und so blieben wir länger als erwartet. Dieser Genuss von einem festen Dach über dem Kopf, fließend Wasser, einer heißen Dusche, einen Backofen und vielem mehr hatte schon etwas Besonderes. Man wertschätzt die Dinge, die in unserem normalen Alltag als selbstverständlich gelten, nach so langer Zeit ganz anders. Wir haben in der Zeit, die wir hier waren immer sehr lecker gekocht und hatten schöne Gespräche. Wir haben den Ofen genutzt, um endlich mal wieder ein paar Gerichte zumachen, die wir sonst nicht machen konnten. Pizza, Quiche und frisches Brot sind nur einige Gerichte.  Es war eine wahre Freude. Im Garten wuchsen die tollsten Bäume. Hier konnten wir Orangen, Zitronen und Nespera Früchte zum Frühstück ernten. Dazu gab es noch Unmengen an Sauerklee für den berühmten Orangen-Zwiebel-Sauerklee-Salat, sowie Bananen, Granatapfel, Minze, Lauch und Porree. Wir haben die Zeit auch genutzt, um kleinere Reparaturen am Wohnmobil durchzuführen. So haben wir beispielsweise unseren Ventilator zur Motorkühlung überbrückt und jetzt mit der Hupe verbunden. Die Hupe mussten wir ja schon vor Monaten abklemmen, da Anka immer wieder auf dem Lenkrad stand und wild umher gehupt hatte. Jetzt geht der Ventilator zur Motorkühlung an, wenn wir die Hupe drücken. Das ist echt ne witzige Konstruktion, aber es funktioniert.

Seit sechs Tagen haben wir wieder das Haus verlassen und befinden uns wieder auf der Straße. Wir haben uns auf den Weg nach Norden gemacht. Die Algarve liegt hinter uns, es ist ein Abschied auf unbestimmte Zeit. Es ist eine wundervolle Region und es fiel uns nicht leicht diese zu verlassen. Wir besuchten das letzte Mal den Strand von Faro, da wir wussten, dass wir wohl in Portugal nicht mehr an die Küste kommen werden. Leicht rebellisch liefen wir am Strand aus dem Blickfeld der Häuser und genossen die letzten Stunden. In Portugal ist es aktuell nun auch verboten sich am Strand aufzuhalten und ins Wasser zugehen. Wir taten es trotzdem, da es für uns unser Abschied war. Im Wasser, zwischen den Wellen und den letzten Sonnenstrahlen des Tages dachte ich nach. Über die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft. Was bringt die Zukunft? Ich bin der festen Überzeugung, wenn irgendwo eine Tür geschlossen wird, öffnet sich woanders eine neue. Neue Möglichkeiten ergeben sich. Ich vertraue darauf und hoffe, dass das Schicksal mir wohlgesonnen ist und noch etwas Glück für mich übrig hat. 

Nun haben wir schon April und wir sind seit einem halben Jahr unterwegs. Trotz der Corona-Krise haben wir unseren eigenen Alltag hier gefunden, der sehr weit entfernt von dem in Berlin ist. Die einzelnen Aktivitäten haben einen ganz neuen Stellenwert bekommen und man tut Sachen bewusster, beziehungsweise konsumiert in anderen Maßen. Man nimmt auch seine Umgebung und Natur ganz anders war. Es ist ein ganz anderer Alltag, aber eben auch ein sehr schöner Alltag. Manchmal fragt man sich auch, was man eigentlich den gesamten Tag gemacht hat. Oft denkt man sich dann auch, „hey, ich habe ja gar nichts geschafft, muss ich mich jetzt schlecht fühlen?“ Aber dem ist ganz und gar nicht so. Das ist natürlich auch eine Art Prozess für einen selber, dass man nicht jeden Tag etwas Produktives machen muss. So komisch es auch klingt, aber oft besteht auch der Alltag darin, dass man notwendige Dinge wie Wasser besorgt, Lebensmittel einkauft und Wäsche wäscht. Die meisten Sachen, die wir in unserem beruflichen Alltag nebenbei machen, haben bei uns hier einen höheren Stellenwert und kosten auch viel Zeit. Das ist nämlich auch genau das, was wir aktuell haben, Zeit. In Berlin war es genau andersherum. Man hat Geld verdient, war im Stress, Hektik und hatte wenig Zeit. Jetzt müssen wir mit weniger Geld auskommen und haben dafür sehr viel mehr Zeit, was ein schönes Gefühl ist. Viele werden jetzt sagen, „ja die Zeit ist ja schön und gut, aber ohne Geld kommst du auch nicht wirklich voran und was ist mit der Zukunft?“

Das sind Themen, an die ich auch sehr oft Denke, „was ist mit der Zukunft?“ Ich finde, dass was ich beziehungsweise wir gerade machen ist purer Luxus. Diese Erfahrungen die man auf Reisen macht, stärken einen für den weiteren Lebensweg. Es sind Lebenserfahrungen, die einem keiner mehr nehmen kann. Ich denke natürlich auch an „übermorgen“ und eine Art Angst, dass ich den Anschluss an die Gesellschaft in Deutschland verliere habe ich ganz und gar nicht. Dann habe ich eben eine kleine Lücke im Lebenslauf, wo andere vielleicht Berufserfahrung gesammelt haben. Und wenn mich eines Tages ein Personaler mal darauf anspricht, dann kann ich mit voller Überzeugung sagen, „ja, war geil.“ Es ist auch immer die Sache, wie man die Geschichte geschickt verpackt. Ich habe eine Ausbildung, Abitur und ein abgeschlossenes Studium. Das ich irgendwie den beruflichen Anschluss verpassen sollte, glaube ich nicht. Ich lebe mein Leben, so wie ich es will und momentan ist es trotz Corona echt schön.

Portugal hat den nationalen Notstand um weitere 2 Wochen verlängert. Dieser geht nun bis zum 2. Mai. Wir merken selber, dass es merklich ruhiger geworden ist. Wir sehen kaum noch andere Camper und auch auf den Straßen ist wenig los. Vor den Supermärkten bilden sich immer lange Schlangen, da nur eine gewisse Anzahl von Menschen auf einmal hineindarf. Im Großen und Ganzen halten sich die Portugiesen schon an die Auflagen der Regierung. Ich denke das ist auch ein Punkt, warum die infizierten Zahlen weiterhin so gering sind.

Nun stehen wir hier 20 km südlich vor Beja an einem schönen See, genießen die letzte Zeit in Portugal und überlegen uns, wie es weitergeht. 



Die letzten Sonnenuntergänge an der Algarve

Barragem da bravura

Wunderschöner Stausee nördlich von Lagos - hier standen wir teilweise auch ganz alleine

Abendessen mit Wein, Aussicht und anderen Campern



Der See verliert dramatisch an Wasser

Die Ursachen sind oft lange Dürre, Wassernutzung für Waldbrände und zu hoher Wasserverbrauch an der Algarve

Bilderreihe von Giuly und dem Ball















Rückblick Algarve: Hier wurden wir das erste Mal von der GNR aufgefordert den Platz zu verlassen

Der Leuchtturm von Sagres. Der südwestlichste Punkt vom europäischen Festland.





Wenn wir unsere Wäsche mal nicht im See oder Fluss waschen, geht man zur Lavanderia





Oder man trifft Leute, die ihre eigene Waschmaschine dabei haben ;)

Neues Crew-Mitglied - zumindest für ein paar Stunden


Giuly im Krankenhaus

Hier bekommt sie eine Natriumchlorid-Lösung und muss eine Nacht vor Ort bleiben

Die Polizei verteilt Informationsmaterial an die Camper





Die ersten Tage im Supermarkt, nachdem Portugal den nationalen Notstand ausgerufen hatte

Die Regale waren vor ein paar Wochen noch ziemlich leer. Jetzt findet man wieder alles. Auch Klopapier ;)

Unsere Vorräte...

...da wir nicht wussten, ob wir jetzt von der Polizei unter Quarantäne gesetzt werden

Kleine Reparaturen...

...lassen sich schnell eigenständig lösen

Die "Vasco da Gama" Brücke in Lissabon

Hier übernachteten wir, um am nächsten Tag den Flug nach Berlin zubekommen

Free Shower: Regen muss nicht immer negativ sein. 

Selbstversorgung: Wir bauen jetzt auch Minze, Basilikum, Tomate, Schnittlauch und Petersilie an

Der letzte Tag am Strand. Giuly genießt ihn auch
Anka schaut nochmal sehnsüchtig zum Strand



Hier durften wir für 1,5 Wochen in Sicherheit stehen

Das "Wolfpack" ist in dem Zeitraum größer geworden. Eva, Milow, Anka, Giuly

Wir haben herrlich gekocht und gebacken

Selbstgemachtes Brot, Orangen-Zwiebel-Sauerklee-Salat, Humus, Indisches Curry, Kartoffel mit Rosmarin, Paprika-Hirtenkäse-Dip (Alles extrem lecker!)

Zu Besuch bei Franzi und Asahi. 4 Leute - 4 Hunde

Die Reise geht weiter und wir lassen die Algarve hinter uns

Unser aktueller Standort am Barragem do Roxo



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