Nachdem wir die Deutsch-Französische Grenze überquert hatten
befanden wir uns also im europäischen Ausland und wir beide wussten, dass wir
Deutschland ab jetzt für mehrere Monate nicht mehr sehen werden. Unsere Gefühle
über den Abschied hielten sich aber sehr in Grenzen. Viel größer war die
Vorfreude auf das Abenteuer, was vor uns lag. Unsere erste Etappe hatten wir
nun geschafft, wir haben uns recht gut unfallfrei durch Deutschland bewegt und
befanden uns jetzt am Anfang von unserer Frankreich-Durchquerung. So viel Zeit
zum Angucken von verschiedenen Highlights auf unserer Tour zum Atlantik hatten
wir uns nicht genommen. Die Heizung war weiterhin kaputt und die Temperaturen
waren nachts weiterhin einstellig. Unser weit entferntes Ziel war Bordeaux.
Nachdem wir einige Kilometer bereits durch Frankreich gefahren waren, passierten
wir immer wieder sehr deutsche Ortsnamen wie Mülhausen, Altkirch oder
Wittendorf. Das hat einen geschichtlichen Hintergrund. Frankreich musste Elsass-Lothringen
1871 im Anschluss an den Deutsch-Französischen Krieg, an das neu gegründete
Kaiserreich abtreten.
Auf unserer Fahrt durch Frankreich hatten wir
wettertechnisch viel Pech. Es regnete sehr viel und wir mussten teilweise den
gesamten Tag im Wohnmobil verbringen, weil es einfach zu ungemütlich draußen
war. Auf dem Weg nach Bordeaux hatten wir abends den ersten Kontakt mit der
Polizei. Auf der Suche nach einem schönen Übernachtungsplatz am Wasser
passierten wir einige Feldwege, wo am Ende ein ausgebranntes Fahrzeug stand.
Wir dachten uns nicht viel dabei, aber ein bisschen komisch war es schon, denn
im Normalfall steht ja nicht an jeder Straßenecke so ein verkohltes Fahrzeug. Als
wir gerade dabei waren es uns richtig gemütlich zumachen, mit einem Lagerfeuer,
Wein und gutem Essen kam die Polizei mit zwei weiteren Fahrzeugen den Feldweg
entlang. Wir machten sofort das Feuer aus, denn auch in Frankreich ist offenes
Feuer absolut verboten und Wildcampen wird auch nur geduldet. Die
Fahrzeugkolonne stoppte an dem ausgebrannten Auto und wir waren uns ziemlich
sicher, dass sie nicht wegen uns hier waren. Da es bereits auch sehr Dunkel
war, konnten sie uns eh nur schwer sehen. Leider hatten wir die Rechnung ohne
die Hunde gemacht, die bellend zu dem Polizeifahrzeug gerannt sind. Wirklich Dämliche
Viecher… Jetzt wussten also auch alle anwesenden Personen, dass wir 100 Meter
weiter standen. Nach 20 Minuten kamen dann tatsächlich die französischen Polizisten
zu uns. Nachdem wir ihnen erstmal klarmachten, dass wir kein französisch
können, waren sie erstmal bedient. Sie wollten aber auch nur wissen, ob wir
etwas über das ausgebrannte Fahrzeug wussten. Wir versuchten ihnen
klarzumachen, dass wir selber erst vor ein paar Stunden angekommen waren und
weiter nichts mitbekommen hatten. Zum Wildcampen hatten sie dann zum Glück
nichts weitergesagt. Wir waren Zufrieden und machten durch den guten Ausgang
des Gespräches die zweite Flasche Wein auf und genossen den Abend.
Nach drei Tagen waren wir in Bordeaux ankommen und fanden
etwas außerhalb einen Platz zum campen. Durch unsere App „park4night“ hatten
wir diesen Platz gefunden, welcher kostenloses Wasser und Strom zur Verfügung
gestellt hat. Da wir allerdings erst am Abend ankamen, waren bereits alle
Stromquellen besetzt. Pech für uns, aber der kostenlose Wasserzugang ließ uns
am nächsten Morgen eine lange warme Dusche haben.
Drehen wir aber die Uhren nochmal 10 Stunden zurück. Während
der Nacht war es sehr windig. Bevor wir ins Bett gegangen waren, hatten wir die
Seitentür vom Wohnmobil nicht richtig verschlossen. Das heißt sie war von innen
nicht versperrt und konnte so ohne Probleme von außen geöffnet werden. Durch
den Wind machte sich nun diese Tür selbstständig und ging auf. Wie das Zufall
es manchmal so will, passieren Sachen genau im selben Augenblick. Die Hunde
schliefen genau vor der Tür, als sich diese öffnete. Nun war die Tür um 3 Uhr
nachts ohne unseren Willen offen und es stand ein Reh Auge in Auge mit den
Hunden vor der Tür. Was jetzt kam, könnt ihr euch wohl schon Denken. Die Hunde
rasteten komplett aus und liefen dem Reh bellend mehrere hundert Meter
hinterher. Wir wurden natürlich von dem lauten Lärm wach und wussten erstmal
gar nicht was Sache ist. Völlig verpennt, die Tür stand offen, der Wind pfiff
rein, die Hunde waren weg und man vernahm nur bellen von weiterdraußen. Da wir
natürlich auf diesem Insider-Parkplatz nicht alleine standen, waren wir uns
sicher, dass alle anderen Camper auch davon wach geworden waren. Schön peinlich
mal wieder und ein super erster Eindruck.
Ein paar Tage später hatten wir wieder nachts ein sehr
„schönes Erlebnis“. Wir wurden wieder unerwartet wach, allerdings diesmal nicht
von einem lauten bellen, sondern von einem sehr unangenehmen Geruch. Einer der
beiden Hunde hatte tatsächlich die Todsünde vollbracht und ins Wohnmobil
gekackt. Unglaublich, als wäre es das normalste der Welt. So wünscht man sich
natürlich nicht aufzuwachen. Ich beobachtete aus meinem Alkoven, wie Kev die
Scheiße wegmachte und dabei alles andere als glücklich aussah. Ich kann vorwegnehmen,
dass die Hunde diese Situation noch drei weitere Male vollbracht hatten. Genug
Auslauf hatten sie immer, wir gehen nun mit den beiden immer ganz spät abends
nochmal eine Runde, damit sie es bis morgens durchhalten. Mal ganz ehrlich an
alle Hundebesitzer, einen Zeitraum von 23 bis 7 Uhr sollten doch wohl die
meisten Hunde ohne Inkontinenz aushalten. Nunja das allergrößte Highlight
hatten wir vor ein paar Tagen in Portugal. Ich fasse diese Situationen einfach
mal hier zusammen, da ich das Thema hoffentlich nicht nochmal aufmachen muss.
Wir sind also vom Surfen zurückgekommen. Wir waren nicht
lange unterwegs, vielleicht zwei bis drei Stunden. Nachdem alles Fein im
Wohnmobil aussah musste Kevin feststellen, dass Anka oder Giuly in sein Bett
gekackt hatten. So richtig schön ans obere Ende vom Kopfkissen. Das war
wirklich hart. Ich dachte mir in dem Moment nur, zum Glück schlafe ich oben, wo
die Hunde nicht hinkommen. Das Ende vom Lied war, dass wir wieder nicht
wussten, wer es war. Wir machten alles sauber und ließen den Tag weiter
voranschreiten. Was blieb uns auch anderes übrig. Dumme Sachen machen die Hunde
mindestens einmal am Tag. Also da hilft es auch nicht lange böse zu sein.
Nachdem kleinen Exkurs in die Gegenwart, befinden wir uns
wieder in Frankreich auf dem Weg zum Atlantik. Weit weg ist er nicht mehr. Uns
trennt nur noch eine kleine Düne vor dem ersten Kontakt mit dem Wasser. Klein
ist vielleicht das Falsche Wort, sagen wir einfach, wir stehen vor der größten
Wanderdüne Europas. Sie hat einen Nord-Süd-Verlauf und ist bis zu 110 Meter
hoch, 500 Meter breit und etwa 2,7 Kilometer lang. Der Anblick war wirklich
gewaltig und die Steigung liegt auf der Ostseite zwischen 30° bis 40°. Man
macht zwei Schritte nach oben und sinkt einen zurück. Aber es war egal, dass es
anstrengend war, es war egal das der Sand wie Rasierklingen über die Beine
hinwegging, es war egal, dass der Sand überall am Körper klebte. Es war einfach
ein super tolles Gefühl, diese Sanddüne heraufzuklettern und sich endlich mal
wieder schmutzig zu machen. Als Geschenk gab es ganz oben einen spektakulären
Ausblick. Jede Himmelsrichtung bot eine andere Attraktion. Natürlich sahen wir
zuerst den Ozean und wussten beide innerlich, dass wir auch die Etappe
Frankreich so gut wie geschafft hatten. Wenn wir den Blick zurückgeworfen
hatten, sahen wir die Baumkronen des Waldes, welchen wir eben noch durchquert
hatten. Es hatte auch was Kitschiges an sich, denn es hatte den gesamten Tag
geregnet und bei unserem Anstieg war der Himmel immer noch bewölkt. Als wir
dann aber den ersten Schritt über den Kam gemacht hatten, hatte sich die Sonne
ein Loch durch die Wolkendecke gebahnt und schien uns direkt ins Gesicht. Es
war ein magischer Moment, als ob sie uns willkommen heißen wollte. Willkommen
am atlantischen Ozean.
Wir fuhren nun weiter die Küste Richtung Biarritz runter.
Wir sind in den letzten Tagen durch Frankreich immer viel gefahren und so kam
es auch oft vor, dass wir unseren Platz für die Nacht erst im Dunkeln
erreichten. Nicht immer optimal, denn wir wussten nie so genau, was uns
erwarten sollte. Eines Tages sind wir auch erst wieder spät angekommen und es
regnete. Unser Navi sagte uns, dass wir angekommen seien, jedoch empfanden wir
das nicht so, da wir noch immer auf einer offenen Straße standen. Wir sahen nur
links einen Feldweg, den wir dann hineinfuhren. Dass das keine gute Idee war,
merkten wir nach zirka 50 Meter, als die Räder vorne durchdrehten und wir nicht
mehr weiterkamen. Es ging nichts mehr, weder vor noch zurück und die beiden
Hinterräder standen bis zur Hälfte im Schlamm fest. Keine optimale Situation,
wo wir beide Müde und hungrig waren und einfach nur ankommen wollten. Aber es
half ja nicht. So krumm und schief wie wir hier standen, konnten wir nicht die
Nacht verbringen. Da wir bereits in Berlin unser Wohnmobil einigen Offroad-Stresstests
unterzogen hatten und auch da steckengeblieben waren, hatten wir natürlich
vorgesorgt und uns Bleche besorgt, um einen besseren Grip zu haben. Die Räder
waren jedoch komplett mit Schlamm umhüllt, sodass sie einfach Null Profil mehr
hatten und wir auch mit den Blechen arge Probleme hatten. Nach über einer
Stunde hin und her, hatten wir es dann endlich geschafft, das Wohnmobil in
Bewegung zu setzen. Das Fahrzeug schlitterte von links nach rechts und wir
versuchten krampfhaft wieder Grip zubekommen. Die Wiese links neben uns musste
dann leider daran glauben, als wir diese zum säubern unserer Reifen benutzen.
Das Ganze kann man sich so vorstellen, wenn ihr mal in einen Hundehaufen
reingelaufen seid und dann den Schuh auf einem Stück Wiese sauber bekommen
wollt. Genau so waren wir hier gerade mitten im Nirgendwo in Frankreich, nachts
unterwegs. Schlussendlich hatten wir es dann geschafft einen Geraden und
schlammfreien Untergrund zu finden. Die Spuren der Verwüstung haben wir dann
erst an nächsten Morgen gesehen und wir beschlossen direkt nach dem Frühstück
wieder loszufahren, da die Reifenspuren einfach direkt an unserem Wohnmobil
aufhörten und wir uns mit keiner Ausrede der Welt hier freikaufen hätten
können.
Wir fuhren weiter, immer weiter nach Süden und passierten
bei Behobia die Grenze nach Spanien. Vor uns lag ein Gebirge das ich so auch
noch nie passiert hatte und ich freute mich mächtig auf die neuen Eindrücke in
Spanien. Vorab hatten wir uns schon einmal über die beste Reiseroute durch die
Pyrenäen belesen. Zusammenfassend kann man sagen, das die Pyrenäen „der Tod
eines jeden Wohnmobils sind“. Wir wollten uns davon aber selbst ein Bild machen
und so stiegen wir in unser Wohnmobil und machten uns auf den Weg.
Blick von der Dune du Pilat - rechts der offene atlantische Ozean und links die Baumkronen
Der Anstieg mit einer Steigung von 30° bis 40°
Video Dune du Pilat
Unser festgefahrener Reifen im Schlamm, nachts irgendwo in Frankreich
Unser Wohnmobil neben dem ausgebrannten Autowrack
Wir sind am atlantischen Ozean angekommen. Obwohl wir ihn schon so oft gesehen haben, ist es trotzdem immer wieder toll hier zu sein. Was ein wundervolles Gefühl.
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