Rückblick, es ist Donnerstag, der 24. November 2019
und ich verschließe zum letzten Mal meine Wohnung mit dem Wissen, dass ich
diese für mehrere Monate nicht mehr sehen werde. Die letzten organisatorischen
Angelegenheiten habe ich wirklich auf dem letzten Drücker erledigt und jetzt
geht es also wirklich los. Es ist ein bisschen surreal den Wohlstandsluxus
zurückzulassen und einen ganz neuen Luxus genießen zu dürfen. Unser neues
Zuhause hat zwar nur wenige Quadratmeter, aber sobald wir die Tür nach draußen
öffnen, haben wir unbegrenzte Möglichkeiten. Ich schnappe mir meine Reisetasche
mit meinen letzten Sachen, steige auf mein klappriges Fahrrad und fahre los. Von
Berlin-Weißensee geht es mit der Tram und der S-Bahn bis nach Schönwalde-Glien.
Die Grenze von Berlin nach Brandenburg hatte ich bereits unterwegs, ohne es zu
bemerken, überquert. Und da stand es nun, unser neues Zuhause für die nächsten
Monate. So genau kann man es noch gar nicht einordnen, wie das alles wird. Klar
ist, dass es Zeit brauchen wird, um sich an die neue Situation zu gewöhnen.
Unsere Tour durch Deutschland ist vor allem dadurch geprägt, dass wir nochmal
unsere verstreute Familie besuchen. Da unser Wohnmobil die letzten Monate vor
dem Grundstück von Kevin seinem Vater und seiner Lebensgefährtin stand, konnten
wir uns hier direkt für alles Bedanken und uns Verabschieden. Mein Opa und
Doris kamen ebenfalls zur Verabschiedung und so ging es dann los.
Lange mussten wir nicht fahren. Wir machten kurz hinter
Potsdam in Rehbrücke halt, wo ich nochmal meine Oma mit einem Besuch
überraschte. Die Hunde rannten direkt ins Haus und erkundeten alles. Von hier
ging es dann weiter nach Hannover, wo wir die Mutter von Kevin besuchten. Wir
wurden direkt mit Käsespätzle essen begrüßt und ich suchte mir eine ruhige Ecke
zum Übernachten, da Kevin nochmal in den Genuss von stabilen 4-Wänden kam. Am nächsten Tag gab es ein sehr schönes
Frühstück und wir machten Pläne, wo wir bis Frankfurt übernachten wollten. Wir
hatten beschlossen in Deutschland auf der Autobahn zufahren, um so Einweg
schneller voranzukommen. Mehr als 80 km/h sind in der Regel nicht drin und so
wurden wir im Minutentakt von verschiedenen LKW´s überholt. Ein paar hupten uns
immer mal wieder an, da wir schon als kleines Hindernis angesehen wurden und
bestimmt schon über den CB-Funk bekannt wie ein bunter Hund waren. Da wir aber
ein breites Spektrum an verschiedenen Hupen an Board haben, machten wir unsere
polizeiähnliche Sirene an, um den Truckern immerhin für ein paar Sekunden ein
ungutes Gefühl zu geben. Uns zauberte dieser Moment immer ein leichtes grinsen
ins Gesicht.
Warum wir es aber auch ein wenig schneller nach Portugal
angehen wollten, war der Punkt, dass unsere heilige Heizung bereits am zweiten
Tag die Füße hochgelegt hat und wir morgens schon Rekorde von 5°C im Wohnmobil
gehabt haben. Ich muss sagen, mir war über Nacht noch nie wirklich kalt oben im
Alkoven, da Wärme ja eh nach oben geht und ich mehr Decken und Kissen als nötig
an Bord habe. Kurz gesagt, dass Nest oben im Alkoven ist immer schön warm und
da stören mich auch zeitweise keine 5°C im Wohnmobil. Kevin sieht das ein wenig
anders. Man muss aber fair sein, er schläft auch direkt über der Garage und da
zieht es schon wie Hechtsuppe. Drehen wir aber die Uhren ein paar Monate nach
vorne, werde ich hier oben in meinem Nest wohl hart schwitzen. Mein kleiner USB
betriebener Ventilator wird dann wohl mein Überlebensequipment sein. Ich freue
mich jetzt schon auf den Sommer.
Kommen wir wieder zurück zur Situation. Wir befinden uns
irgendwo zwischen Hannover und Frankfurt und müssen natürlich nun auch mal
tanken. Der Vorbesitzer hatte mal irgendwas von nicht zu volltanken gesagt. Da
die Tankstelle aber günstig war und wir immer gerne runde Beträge zum Verrechnen
haben wollten, habe ich also fleißig weitergetankt, obwohl die automatische
Abriegelung der Zapfsäule bereits mehrfach mir zu verstehen gegeben hat, dass
unser Tank doch schon sehr voll sei. Nun vernahm ich also auch einen Wasserfall
ähnlichen Klang aus dem Motorraum. Oh shit. Da lief es also, der kostbare
Diesel. Irgendwo im oberen Drittel des Tanks war also doch ein kleines Loch und
genau aus diesem schoss der Diesel nun heraus. Wir versuchten alles sauber zu
machen und hinterließen aber eine saumäßig große Pfütze. Naja gut, wir lernen
halt nie aus und werden für die Zukunft nur noch ¾ Volltanken.
Wir fuhren also weiter und kamen dann über Nordrhein-Westfalen
nach Hessen, wo wir kurz vor Frankfurt-Main City Stopp machten. Wir wollten uns
ein bisschen außerhalb mit dem Onkel von Kevin treffen, mussten aber
unfreiwillig anhalten. Wir vernahmen ein sehr neues und ungutes Geräusch am
Fahrzeug. Wir hielten an und mussten feststellen, dass sich am hinteren linken
Reifen die Radmuttern gelöst hatten. Nicht nur eine oder zwei, sondern ganze 4
von 5. Komplett lose. Da wir natürlich in unserem Profi Bob der Baumeister
Werkzeugkasten kein Radkreuz dabeihatten und auch irgendwie nichts passen
wollte, womit wir die Schrauben hätten festziehen können, probierten wir es mit
einer Zange. Für die Mechaniker unter euch, ja es war eine blöde Idee und ja es
hielt auch nur 500 m. Wir mussten also Zwangsübernachten und da es zu unserem
Glück auch Sonntag war, hatte natürlich nichts offen in Deutschland. Aber alles
halb so schlimm, am nächsten Tag machte ich ein gemütlichen 2 Stunden
Sparziergang zum nächsten ATU Shop und kaufte das heilige Radkreuz. Wir zogen
alles fest und bis jetzt hielt alles. Warum sich die Radmuttern lösten wussten
wir bis heute nicht. Wir hatten das Rad nie abgeschraubt und eigentlich hatte
die Werkstatt auch dort nichts repariert. Komische Sache und die Vorstellung
von seinem eigenen Rad überholt zu werden ließ uns immer wachsam sein und nach
jedem Stopp prüften wir die Festigkeit der Radmuttern erneut.
Da wir ja kurz vor Frankfurt waren, hatte ich persönlich
noch ein Date mit einem Bruder in der Innenstadt. Hierfür fuhr ich mit der
S-Bahn bis zum Frankfurter Hauptbahnhof, wo mich dann mein Bruder
freudestrahlend in Empfang nahm. Ich besuchte seine Arbeitsstelle und bekam
endlich mal einen tollen Eindruck, mit was er wie und in welchem Umfang immer
zu tun hat. Mir hat es sehr gut dort gefallen. Wir sind dann gemeinsam noch
nach Rüsselsheim gefahren, wo das Wohnmobil auf dem Lidl Parkplatz stand. So
konnte ich ihm noch unser Gefährt zeigen.
Unsere Tour ging weiter. Wir quälten uns durch den Mainzer
Abendverkehr und fanden einen tollen Übernachtungsplatz direkt am Rhein. Nachdem
wir Worms und Karlsruhe passierten, fanden wir den nächsten guten Stellplatz.
Hier hatten die Hunde eine Begegnung der besonderen Art. Vorab muss man sagen,
dass Giuly und Anka eine unfassbar große Klappe anderen Hunden gegenüber haben.
Hier und heute haben sie aber ihren Meister gefunden. Schräggegenüber parkte
ein anderer Camper mit zwei Hunden, den zweiten Hund hatten wir aber erst
später gesehen. Der erste Hund war schon recht groß und hatte das Interesse der
beiden geweckt und sie wufften fröhlich los. Nunja, aus dem Augenwinkel sah ich
dann etwas Anderes und liebe Leute, es war groß, fluffig und als Rasse ein Tschechischer
Wolfshund. Giuly und Anka waren nicht an der Leine und bellten den Wolfshund
direkt und ohne Scheu ins Gesicht. Dieser drehte sich nur fragend zu seinem Herrchen
um, der Blick sagte so viel aus wie, darf ich die jetzt fressen oder was?
Herrchen sagte nein und der Wolfshund nickte. Giuly und Anka waren aber noch in
der totalen Angriffsphase und Anka verfolgte den Wolfshund für ein paar Minuten.
Kurz danach, drehte sich aber der Verlauf und der Wolfshund rannte hinter Anka
her und sie sah schon ihr Leben an sich vorbeiziehen und jaulte vor Angst. Nach
ein paar Runden sprang sie vom Boden in meine Arme, wie sie vorher noch nie
gesprungen ist. Von hier oben bellte sie dann wieder, weil sie ja nun wieder
größer als der Wolfshund war. Manchmal sind Hunde eben auch einfach nur doof.
Eine sehr schöne Nebensache ist, dass wir bisher noch keine Hundebesitzer
getroffen haben, die sich von Giuly und Anka belästigt gefühlt haben. Das
finden wir sehr bemerkenswert, da wir auch wissen, wie Hundebesitzer in Berlin
drauf sind.
Nach den aufregenden Abendstunden ging es am nächsten Morgen
weiter nach Freiburg in Breisgau. Wir fuhren durch wunderschöne Landschaften
und passierten Weinberge um Weinberge. Wenn man hier aus dem Fenster geschaut
hat, wurde man eines Besseren belehrt, dass es in Deutschland auch sehr schön Ecken
geben kann. Wir entschieden uns hier die Grenze zu Frankreich zu passieren. Es
war ein sehr regnerischer Tag, als wenn Deutschland weinen würde, dass wir
jetzt also unser Heimatland verlassen würden. Nichtsdestotrotz überquerten wir
die Brücke und befanden uns ab sofort in Frankreich. Auch hier haben wir wieder
spannende und lustige Geschichten erlebt.
Al das kommt dann im nächsten Rückblick aus Frankreich.
Übernachtungsplatz zwischen Mainz und Worms direkt am Rhein
erster Halt hinter Potsdam in Rehbrücke bei meiner Oma
Nachdem 4 von 5 Radmuttern lose waren, überprüften wir auch, ob wir bleibende Schäden davon getragen haben
Weinberge bei Freiburg im Breisgau
Anka genießt den Blick auf die Weinberge
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| Ein typisches Bild während wir fahren: Anka und Giuly wollen immer vorne mit dabei sein :-) |
Vorbereitung: Was kommt mit und was ist entbehrlich?
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